#5 Do It! Du bist der ärgste Feind deines Helden!

Gleichgültig, welches Genre du bedienen möchtest: Konflikte sind das A und O jeglicher Geschichte.

Nicht nur ein zentraler Konflikt sollte in deiner Geschichte deutlich erkennbar sein. Nein, auch in deinem Kapitel-Mikrokosmos sollte (MUSS!) es Konflikte "hageln". Nur so wird deine Story maximal spannend und wird sich am Ende von anderen positiv abheben.

 

Beispiel für den zentralen Konflikt: Dein Protagonist ist schüchtern und hat sich unsterblich verliebt. Zwischen ihm und seiner großen Liebe steht aber ein Gegenspieler. Dein Protagonist muss über sich hinauswachsen, dabei den Gegenspieler ausschalten, um an die Liebe seines Lebens zu gelangen. Als schüchterner Charakter ist das "sich in Szene setzen" ein ordentliches Pfund "Konflikt".

 

Gut! Damit hättest du einen Grundkonflikt, der dich durch deinen Roman trägt.

 

Jetzt zum Kapitel-Mikrokosmos: In jeder Szene musst du dir Gedanken darüber machen, wie du deinem Protagonisten Steine in den Weg legen kannst.

 

Wieder ein Beispiel, damit es anschaulich wird: Dein Protagonist hat endlich den Mut aufgebracht, die Angebetete ins Kino einzuladen. Sie hat zugesagt.

 

Halleluja, Engelsposaune und lieblicher Wohlgesang!

 

Dein Protagonist ist fast am Ziel und überglücklich. Deine LeserInnen freuen sich mit ihm und fiebern dem Abend entgegen. Wird er sie endlich küssen? Eine (Lese-)Spannung ist jetzt bereits vorhanden.

 

Reicht das?

 

Nein! Niemals! Jetzt fängt es für dich erst an!

Bild zeigt eine Frau mit Boxhandschuhe, die einen Mann schlägt

Du musst alles unternehmen, um die Spannung weiter zu steigern. Wie? So:

 

Dein Protagonist will zum Kino starten, er ist spät dran, da er so lange für die Auswahl seiner Kleidung gebraucht hat. Er hüpft ins Auto … doch die verdammte Karre springt nicht an. Auf dem Weg zur U-Bahn tritt er in einen Hundehaufen. Der Gestank überlagert den Duft seines Parfüms. Dann ruft ihn sein Chef an (ggf. derjenige, der ihm grundsätzlich im Weg steht) und will ein bestimmtes Dokument haben. Verzweifelt fummelt dein Protagonist am Handy herum, um die Datei zu finden und dann zu senden. In der Hektik flutscht ihm das Gerät aus der Hand und fällt in den Gully. Nicht weiter schlimm, es war ein altes Gerät und er wollte sich ohnehin ein neues zulegen (ein kleiner "Durchschnaufer" für die LeserInnen). Doch nun kann er seine Liebe nicht (einfach) benachrichtigen, dass er sich verspäten wird. Er rennt los, um doch noch rechtzeitig anzukommen. Dabei kollidiert er mit einem Lampenmast, ein Stiftzahn bricht ab. O Gott, eine Schneidezahnlücke! So kann er doch seiner Angebeteten nicht unter die Augen treten. ...

 

Versuch bitte mal, die weitere Hindernisse einfallen zu lassen.

 

Merke: Als SchriftstellerIn bist du nicht der Freund deines Protagonisten, sondern dessen ärgster Feind!

 

Deine Mantra muss sein: Konflikte! Konflikte! Konflikte!

 

Am Ende soll es schließlich so sein: Dein Protagonist erreicht sein großes Ziel, der zentrale Konflikt ist aufgelöst. Jetzt tatsächlich: Halleluja, Engelsposaune und lieblicher Wohlgesang! Deine Leser klappen zufrieden das Buch zu und denken sich: "Klasse, geschafft. Und das bei dem, was alles passiert ist. War echt spannend."