#8 Push It! Akquise

Fühlst du dich wie in dem Schlager von Max Raabe? Kein Schwein ruft dich an, um mit dir eine Lesung abzusprechen? Obwohl dein Roman brandneu ist und du den Auftritten entgegenfieberst? Du stehst Gewehr bei Fuß, hast alles bereits geplant und organisiert, doch das Telefon bleibt stumm? Die Stille kratzt an deinem Selbstwertgefühl, du fragst dich, was du falsch gemacht hast? Du MUSST etwas Schlimmes angestellt haben, ansonsten würden die Veranstalter bei dir Schlange stehen. Schließlich ist dein Roman spitzenmäßig und so was von … und ab hier drehen sich die Gedanken im Kreis und fahren mit dir Karussell.

 

Nun, ich möchte dir eins vorweg versichern: Das, was du erlebst, ist ganz normal. Schau dich um. Wie viele Kolleginnen und Kollegen kennst du? Sicherlich hunderte, solltest du aktiv in den Sozialen Netzwerken unterwegs sein. Sie alle stehen als potentielle Kontakte für Veranstalter zur Verfügung. Hinzu kommen die tausende, die du nicht kennst. Du bist ein Los unter vielen in einer Lostrommel. Ab und an greift ein Veranstalter hinein und zieht sich ein Los heraus. Was meinst du, wie groß die Chance ist, dass ausgerechnet dein Name gezogen wird? Und nicht nur das. In der Lostrommel befinden sich besonders auffällige Lose, die leuchten schön bunt, sind größer und griffiger. Ein Veranstalter wird eher nach ihnen greifen. Damit zieht er sich die Großen unter uns, die »Bestseller«, die Topp-AutorInnen. Und schwups, deine Chance auf eine Lesung verringert sich weiter. Untätig bleiben und zu hoffen, bemerkt zu werden, ist also eine wenig effektive Möglichkeit, um eine Lesung zu generieren.

 

Also aktiv die Sache angehen und Akquise betreiben.

 

Du hast keine Ideen, wie du das angehen könntest? Macht nichts, dafür hast du ja mich. Hier kommen einige Vorschläge:

 

  • Flyer. Mittlerweile günstig in der Herstellung und über das Internet leicht erhältlich. Lass dir einen Stapel drucken und versende die Flyer dann an Buchhandlungen und Büchereien.
Bild zeigt eine vereinfachte Zufriedenheitsskala
  • Das persönliche Anschreiben. Eine Variante des Flyers, hier kannst du allerdings eine persönlichere Note mit einbringen. Ich empfehle dabei tatsächlich die gute alte Papierform, nicht die elektronische Variante. Eine E-Mail ist rasch gelöscht, einen wunderschön geschrieben Brief wirft man dagegen nicht einfach so in den Mülleimer - zumindest meistens nicht. Er wird zur Hand genommen, zum Lesen gesellt sich dann noch das Haptische.

  • Verschicke besondere Angebote, setze die Hemmschwelle, sich für dich zu entscheiden herunter. »Bei Nichtgefallen Geld (Honorar) zurück« könntest du dir zum Beispiel auf die Fahne schreiben. Oder einen »Erst-Lesungshonorarrabatt« einräumen.

  • Rufe die Veranstalter an und biete ihnen deine Lesung an. Vorteil: Sollte deine Kontaktperson zögern, kannst du sie direkt am Telefon überzeugen. Nachteil: Du könntest nerven und deine Verhandlungsposition für ein Honorar ist weniger günstig. Schließlich willst du was von deinem Gegenüber. Er wird das genau so argumentieren, sobald ihr auf das Geld zu sprechen kommt. Übrigens: Du findest gute Leitfaden zur Telefonakquise im Internet. Bevor du dich in dieses Abenteuer stürzt, solltest du dich ein wenig schlau machen.

  • Optimiere deine Homepage (Du hast noch keine? Dann wird es aber Zeit! Es ist deine Visitenkarte, die erste Anlaufstelle für interessierte Veranstalter!). Zeige deine Erfahrung, stelle dar, wo du schon gelesen hast. Deine Kontaktdaten sollten sofort sichtbar sein. • Nutze deine Sozialen Netzwerke. Facebook, Twitter und Co bieten sich als Werbeplattform an. Ab und an mitgeteilt, dass du auch für Lesungen bereit stehst, kann nicht schaden.

  • Organisiere eine kleine Lesung, zu denen du Veranstalter aus deiner Umgebung einlädst. Überzeuge sie mit deiner persönlichen Präsenz, zeig ihnen, was in dir steckt. Vergiss nicht, Essen und Trinken anzubieten, denn nicht nur Liebe geht durch den Magen, sondern auch alles andere. Je wohler sich deine Gäste fühlen, desto höher deine Erfolgschancen für spätere Abschlüsse.

  • Besuche die potentiellen Veranstalter in deiner Nähe, suche den persönlichen Kontakt. Du kannst sie überrumpeln und überraschend auftauchen, oder dich vorher anmelden. Ich empfehle dir Letzteres. Bei der ersten Variante ist die Gefahr, abgebügelt zu werden, viel größer. Denn ein »Hereinplatzen« mag niemand so recht.

  • Sprich mit deinem Verlag. Je nach Größe des Verlags gibt es Mitarbeiter, die als Ansprechpartner für Lesungen zur Verfügung stehen und auch Angebote in die Welt setzen. Mit dieser Person solltest du auf jeden Fall einen Termin absprechen, um das gemeinsame Vorgehen zu planen. Sei dabei ruhig hartnäckig und fordere Aktionismus ein. Immerhin hat der Verlag ja auch etwas davon, wenn du bekannter wirst.

  • Hinterlasse deine Karte. Solltest du eine Lesung besuchen, dann drücke dem Veranstalter irgendwann im Laufe der Veranstaltung deine Karte in die Hand und teile ihm mit, dass du auch für Lesungen zur Verfügung stehst. Mehr aber bitte dann auch nicht. Denke daran: Der Abend gehört deiner lesenden KollegIn, sie/er steht im Fokus. Lenke nicht durch übermäßige Präsenz davon ab.

  • Schau deine Kontakte durch. Kennst du jemanden, der jemanden kennt, der wiederum der Schwager von … ja und die, die ist Buchhändlerin. Du verstehst schon, worauf ich hinaus will. Findest du eine solche Person in deinen Adressen, dann bitte sie, ein gutes Wort für dich einzulegen und einen Kontakt herzustellen.

Und woher bekommst du nun Adressen potentieller Veranstalter?

 

Nichts einfacher als das: Surfe die Termine deiner Kolleginnen und Kollegen ab und notiere dir, wo sie lesen werden (oder schon gelesen haben). Eine effiziente Methode, um deine Liste mit Veranstaltern zu füllen, die du kontaktieren kannst. Also frisch ans Werk! Siehe zu, dass das Los mit deinem Namen in der Trommel hübsch leuchtet.